Wie eine riesige Hängebrücke

Erschienen in der RHEINPFALZ

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Kirchheim/Kleinkarlbach: Insgesamt gut 70 Meter misst ein Bauabschnitt der 224 Meter langen Talbrücke, die im Zuge der B271-Umgehung über den Eckbach führt. Bei der Konstruktion wird Spannbeton verwendet. Dank des Spannstahls im Beton sind größere Stützweiten möglich. Wir waren dabei, als der zweite von drei Bauabschnitten betoniert wurde.

Von 4 Uhr bis zum späten Nachmittag rollen die Betonautos über die Straßen der Umgebung. Insgesamt 650 Kubikmeter Beton werden verbaut, 55 pro Stunde. Josef Steinmetz und Alexander Engel vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) sowie Bauleiter Enrico Zanardo von der Firma Bickardt Bau führen die RHEINPFALZ über die Baustelle. Zwei riesige Betonpumpen mit einer Auslage von 42 Metern pumpen die schwere Masse nach oben, wo sie eine 70 Tonnen schwere Stahlkonstruktion und 20 Tonnen Spannstahl umschlingt.

Die Brücke wird mit Spannbeton gebaut. Stahlseile, die in den Beton eingelassen sind, werden gespannt wie bei einer Hängebrücke. So verleiht das der Konstruktion die nötige Elastizität, die sie braucht, um später den Schwingungen beim Befahren standzuhalten. Von Pfeiler zu Pfeiler sind es 34 Meter, die überbrückt werden müssen. Dabei kommt es auf Millimeter an. „Man kann nicht einfach Beton reingießen“, so Engel. „Man muss schon vorher ein bisschen Gehirnschmalz reinstecken“, ergänzt Steinmetz und zeigt die Baupläne. Dort ist wirklich auf den Millimeter genau alles notiert. Sogar, an welcher Stelle die 20 Tonnen schweren Stahlseile wie weit durchhängen müssen.

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Zusätzlich muss die ganze Logistik koordiniert werden. Jede Betonladung kommt mit einem Lieferschein, die einzelnen Vorgänge werden gesondert abgenommen. Die Baufirma erstellt eine sogenannte Betonieranweisung, die dann vom LBM genehmigt wird. Grob sieht die so aus: Zwei verschiedene Betonsorten kommen in fünf Schichtlagen aufeinander. Dabei darf die unterste Schicht erst trocknen, wenn die oberste auch aufgetragen ist. Kontrolliert wird das Ganze mit Betonwürfeln, die in einem Container lagern. Zum einen wird damit die Festigkeit und Wertigkeit jeder Betonladung geprüft, zum anderen werden die Würfel genutzt, um eine Probe von jeder Schicht zu haben. Damit lässt sich der Trocknungsprozess nachvollziehen, auch wenn schon mehrere Schichten übereinander sind.

Beim RHEINPFALZ-Besuch wird gerade so eine Schicht gegossen. Der Beton schmiegt sich um die Eisen, man verliert als Laie den Überblick, wo nun welcher Teil der Brücke ist. Wenn der Beton darauf ist, muss er gerüttelt werden, damit sich keine Luftbläschen bilden. Doch mit einem „normalen“ Rüttler funktioniert das aufgrund der Stahlkonstruktion kaum. Es werden Flaschenrüttler eingesetzt. Sie werden von oben in das Gittergeflecht geschoben und verdichten den Beton. Von diesen Flaschenrüttlern sind acht Stück im Einsatz, dazu kommt ein Flügelglätter. Anschließend, nach dem Glätten der obersten Schicht, wird noch eine Flüssigfolie über den Beton gezogen, damit er beim Trocknen nicht der Witterung ausgesetzt ist. Früher hat man das mit Abdeckplanen gemacht, diese seien aber zu unsauber.

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Insgesamt sind um die 30 Leute auf der Baustelle beschäftigt, 17 davon Fachkräfte. Die Stimmung ist heiter, aber sehr professionell. Man spürt förmlich die Konzentration, mit der die Arbeiter bei der Sache sind. Auf der einen Seite ist es eine riesige Masse an Material, das aber auf der anderen Seite millimetergenau platziert werden muss. Grob überschlagen wiegt allein der Überbau 5000 Tonnen.

Als nächstes wird nun der dritte Bauabschnitt vorbereitet. Die weiterführende Trasse der B 271 Richtung Autobahn ist bereits freigelegt und wird so aufbereitet, dass die Bauarbeiten dort beginnen können. Die Erde, die dort abgetragen wird, kommt zum Autobahnzubringer in Grünstadt, wo eine neue Auf- und Abfahrt „Weinstraße“ entstehen soll. Mit dem Zeitplan sind die Planer vom LBM zufrieden. Alles laufe so, wie sie es sich vorgestellt haben. Die komplette Fertigstellung der Umgehung, auch, was die Restarbeiten angeht, ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.

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